Tarvios's Blog

Die Bahn in Japan – ein Traum

Durch die ständige negative Presse der deutschen Bahn in Deutschland, habe ich wieder an meinen Urlaub letztes Jahr in Japan denken müssen.
Dort bin ich sehr häufig Bahn gefahren und möchte meine Erlebnisse ein wenig schildern.

In Japan gibt es mehrere Bahnsysteme, wie diese tatsächlich aufgeteilt sind, und ob welche privat oder in staatlicher Hand sind, weiß ich nicht, ist für meine Erzählung aber auch nicht von Belang.

Im Nahverkehr fahren drei Bahnarten die gleiche Strecke ab.
Ein langsamer Zug der überall hält, ein mittelschneller der kleinere Bahnhöfe überspringt, und ein schneller Zug, der wenige Bahnhöfe anfährt. Meist ist es so, dass Fahrgäste mit einem der schnelleren fahren, ihre Station „überspringen“ und dann einen langsamen Zug zurück nehmen.
Aber auch die Fahrgäste sind eigentlich nicht von Belang bei dieser Erzählung. Außer man möchte näher darauf eingehen, dass es in Bahnen verboten ist zu telefonieren, und es sich auch daran gehalten wird.

Jetzt kommen wir doch einmal zu dem Teil, mit dem man die Bahn in Deutschland vergleichen kann – dem Service.

Ich betrete einen Bahnhof und muss an einem Automaten (es gibt für gewöhnlich mehrere davon an Bahnhöfen) mein Ticket ziehen. Dazu habe ich über dem Automaten eine Karte, die bildlich anzeigt, wohin man von diesem Bahnhof aus fahren kann. Das ganze auch noch dreifarbig, damit man direkt sieht, welche Bahn am Zielbahnhof hält. Der Preis dorthin ist immer der gleiche, egal welche Bahn, und steht auch direkt in diesem Bild bei entsprechendem Zielbahnhof dran.
Die Preise sind am Automaten ganz einfach unter den entsprechenden Knöpfen hinterlegt. (Bin mir grad nicht mehr sicher, ob man erst das Geld einwirft, oder erst den Knopf drückt, ist aber auch Wurst.)
Das Ticket lasse ich kurz an einem anderen Automaten als Eingang entwerten und gehe zu den Gleisen. An den Automaten zum entwerten sitzt auch immer Bahnhofspersonal in einer Kabine, dass einem gerne bei Problemchen und Problemen weiter hilft.
Am Bahnsteig selbst sind die Haltezonen der Bahnen eingezeichnet, so dass man sich an genau dieser Stelle auch zum Einsteigen anstellen kann. Ich habe es in den zwei Wochen, in denen ich dort war, genau beobachtet, jede Bahn hielt punktgenau richtig.

Während der Fahrt betreten für gewöhnlich zwei Mitarbeiter der Bahn jeden Waggon, nicht um zu kontrollieren ob man schwarz fährt (das wird erst beim Zielbahnhof kontrolliert, aber dazu mehr später), sondern um nachzuschauen, ob Gepäck liegen gelassen wurde.
Beim Eintritt in den Wagen verbeugen sich die Mitarbeiter, beim verlassen des Wagens verbeugen sie sich wieder.
Wenn der Zug den Bahnhof verlässt, verbeugt sich das Bahnhofspersonal auch in Richtung des abfahrenden Zuges. Damit zollt man den Zuggästen Respekt dafür, dass diese den Mitarbeitern den Arbeitsplatz sichern (ist allerdings nur ein Tipp von mir, könnte auch religiöse Gründe haben, lasse mich gerne genauer aufklären).
Beim verlassen des Bahnhofs muss man das Ticket wieder in einen Automaten stopfen, aus dem es dann auch nicht mehr herauskommt. Hat man das richtige bezahlt, passiert nichts, hat man zu wenig bezahlt, ertönt ein Ton und der Bahnhofsmitarbeiter, der in seiner Kabine sitzt) bittet einen höflich nachzuzahlen. Ist mir persönlich nur einmal passiert und es wollte mir niemand gleich einen 60 Euro Strafzettel für’s Schwarzfahren aufdrücken (kostet doch 60 oder? hab das so selten).

Bei den Fernzügen ist es eigentlich wie bei den Nahzügen, nur das man tollere Tickets bekommt und im Zug (bzw. logischerweise schon beim Kartenkauf) zwischen drei Optionen wählen kann. Kein Sitzplatzanspruch, eine Sitzplatzreservierung oder erste Klasse. Ersteres ist klar, es gibt Abteile wo man sich hinsetzt wo frei ist.
Letzteres ist auch klar, erste Klasse ist immer mit mehr Luxus verbunden. Toll fand ich die zweite Variante, die Sitzplatzreservierung. Man hat nicht, wie bei uns, einen festen nummerierten Platz, wo man aber 100%ig neben jemandem sitzt, der mehr Platz braucht, ständig schnarcht oder was weiß ich was, oder schlimmer noch, einfach jemand sitzt, den man erst einmal verjagen muss.
Nein, dort hat man einen reservierten Waggon, in den man sich einfach irgendwo hin setzt, wo man möchte. Ein Traum, ehrlich.
Unnütz zu erwähnen, dass Service-Personal immer freundlich war.

Ich habe in den zwei Wochen einen Zug erlebt, der unpünktlich war… für anderthalb Minuten.

Mir würde es gefallen, wenn deutsche Zugbegleiter mehr Respekt den Leuten entgegen bringen würde, die ihren Arbeitsplatz sichern.
Ich fände es toll, wenn deutsches Bahnhofspersonal nicht ausschauen würde, als müsstest Du Dich bei ihnen entschuldigen, wenn Du mit einem Problem zu ihnen kommst.
Es wäre toll, wenn die Bahn in Deutschland ihre Unpünktlichkeit endlich einmal in Griff bekommen würde.

Vielleicht sollte sich die Deutsche Bahn in Japan schulen lassen!


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Japanreise Tag 9 bis 14

Update zu Tag 8:
Wir haben uns in der Nacht noch über deutsche Politik und Historie unterhalten. Mein Gastgeber interessiert sich sehr für Deutschland und versucht auch die Sprache zu erlernen, habe ihm auch gleich ein paar schmutzige Wörter beigebracht. Es gibt einfach Dinge, die man in einer anderen Sprache wissen muss 😉
Bin froh, dass er nachts ein wenig aufgetaut ist und ich mich mit ihm unterhalten konnte.

Tag 9:
Auf zum nächsten Gastgeber.
Leider musste ich bis 18 Uhr warten, oder sagen wir eher, die Zeit vertrödeln.
Hatte mir in Osaka ein Schließfach gesichert und konnte ohne das schwere Gepäck die Einkaufsmeilen und Kaufhäuser unsicher machen, und mir in aller Ruhe ein gutes Restaurant aussuchen.
Trotzdem verging die Zeit einfach nur schleppend und ich hatte mittags schon keine Lust mehr, mir noch mehr Läden anzuschauen.
Endlich gegen 17 Uhr der erlösende Anruf mit der Beschreibung wo ich hinfahren soll, damit wir uns gegen 18 Uhr auch treffen können.
Und so traf ich dann Yuuki Hamasaki, einen lustigen Typen Anfang 20, der mich gleich in sein Lieblingscafé schleppte. Dort angekommen erzählte er dem Kellner (der war sowas von Rosa ^^) das ich aus Amerika bin, nach meiner kleinen Berichtigung wo ich tatsächlich herkomme, erklärte mir Yuuki, dass mein Englisch einfach so gut sei und er annahm ich käm aus den Staaten. Lächelnd nahm ich das Kompliment zur Kenntnis, war es doch schon das zweite dieser Art innerhalb weniger Tage. Der Chinese bei dem ich wohnte, dachte ich würde in einem englischsprachigen Land studieren. (und alle so Yeah).
Yuuki’s Wohnung war interessant. Mein Büro auf der Arbeit ist definitiv größer, wenn auch nicht so vollgestopft mit Sachen. Aber er hatte alles was man brauchte, inkl. Reiskocher und akkubetriebenen Staubsauger. Ich wunderte mich erst, dass im Raum selbst kein Bett stand, aber er nutzt zum schlafen einfach seine Couch, die er mit einem kleinen Hocker verlängern muss um drauf zu passen. Ich hingegen schlief wieder einmal auf dem Boden. Macht ja nichts, hatte es mir ja so ausgesucht :o)

Am ersten Abend hatte Yuuki eine Geschäftsbesprechung, während ich zu Hause blieb, ein wenig zockte und mir ein paar Filme auf dem Laptop anschaute.

Tag 10:
Samstag hatte Yuuki wieder geschäftliches zu erledigen, während ich mir noch ein paar Sachen in Osaka anschaute. Der Tag verlief recht ereignislos.
Am Abend spazierte ich mit meinem Gastgeber zum Schloss Osaka, um einige richtig gute Aufnahmen im dunklen zu machen. Der Rückweg war dann noch einmal spannend, denn mein Gastgeber wollte ein wenig mit seiner neuen Freundin telefonieren und nahm einen anderen Weg. Glücklicherweise habe ich einen guten Orientierungssinn, und auch wenn ich nicht genau den richtigen Weg zurück nahm, kam ich doch sicher und wohlbehalten an der Wohnung an.
Unterwegs machte ich noch die Bekanntschaft einiger Damen, die mir genau ein Wort zuflüsterten. Leider verstand ich nicht was sie meinten und ließ sie stehen, da sie mir auch nicht mehr erklären konnten/wollten whatever (Auflösung kommt noch). In der Nähe der Wohnung kam ich an einem kleinen Haus vorbei, vor dessen Türe eine ältere Dame stand, die auch dieses eine Wort sagte, und die ich dann fragte was sie genau meint. Sie zeigte auf ein Schild, auf dem Preise standen, und erklärte, dass man Massagen bekommen würde.
Jetzt peilte ich auch was die anderen Mädels sagten. Es war immer „dreitausend Yen“, was mir sagen sollte, dass sie eben nur 3000 Yen kosten würden. Ok, die Nutten in Deutschland haben aber auch andere Klamotten an, als die Damen die ich sah (gewöhnliche Straßenklamotten), da bin ich wirklich nicht gleich auf das horizontale Gewerbe gekommen.
Ich lehnte dankend ab und ging nach Hause um die nächste Nacht in Yuuki’s kleiner Wohnung zu verbringen.

Tag 11:
Hatte ich schon erwähnt, dass ich beschlossen hatte mit dem Nachtbus nach Tokyo weiter zu fahren? Falls nein, sei kurz erwähnt, dass ich das fahren mit dem Shinkansen, den japanischen Schnellzügen, einfach zu teuer fand und mir eine günstigere Alternative suchte.
Bereits erwähnter Nachtbus in der Relax Variante versprach mich komfortabel von Osaka nach Tokyo für nur 5500 Yen zu bringen.
Nach äußerst langweiligen 9 Stunden, die ich am Bahnhof und dessen Umgebung verbrachte, sah ich endlich meinen Bus ankommen. Und just in diesem Augenblick fing meine Blase an sich zu beschweren. Auf Nachfragen erklärte mir das freundlich höfliche Personal, dass im Bus selbst keine Toilette ist und der nächste Stopp 3 Stunden entfernt liegt. Autsch… aber zum Glück war es dunkel und die Gegend nicht sehr belebt… den Rest erspar ich euch 😉

Die Nacht war hart, und damit meine ich nicht den Sitz, der war OK, aber ich konnte einfach nicht richtig schlafen. Obwohl ich tatsächlich um die 6 Stunden geschlafen haben muss laut Uhr.

Tag 12:
Morgens um sieben Uhr kam ich in Tokyo am Hauptbahnhof an.
Der Bahnhof ist einfach riesig und ich musste dreimal nachfragen, ehe ich an das richtige Gleis kam, dass mich zum Treffpunkt mit meinen neuen Gastgebern führen sollte.
Frau Yoshida holte mich dann auch ab und setzte mich zu Hause erst einmal ins Bad, bzw. zeigte mir wo ich was finden konnte.
Während ich mich frisch machte kam auch Herr Yoshida nach Hause, den ich frisch geduscht begrüßen durfte.
Zu den beiden sei gesagt, dass sie kein Couchsurfing betreiben, sondern gute Bekannte meiner Japanisch Lehrerin sind und Frau Yoshida ganz gut deutsch kann… und sie sind einfach nur toll. Sehr lebenslustig und begeistert von Deutschland. Ich hatte um neun zum Frühstück schon das erste Bier vor mir stehen.
Ist ja auch aller Deutscher Lieblingsgetränk, nicht wahr? 😉
Nun ja, meines nicht, aber als guter Gast hab ich es natürlich getrunken. Nur beim zweiten hab ich dann mit Nachdruck abgelehnt. Ich erklärte, dass ich Whisky Trinker bin, und was soll ich sagen, sie haben auch schottischen Whisky in ihrer Hausbar stehen. Allerdings war der für das Abendessen, was ich zu dem Zeitpunkt sehr angenehm fand.
Nach dem Frühstück zeigten sie mir ein großes Stück von Tokyo von der Bahn aus und wir endeten unsere Tour in einem bekannten Touristenviertel. Von dort aus liefen wir in eine Sushi Bar, die mir ein wenig abgelegen und leer vorkam, allerdings füllte sie sich während unseres Besuches und ich muss sagen, die Abgelegenheit machte aus ihr etwas Besonderes.
Ich würde sogar sagen, dass es ein Feinschmecker Lokal war, dass gar nicht für die breite Masse bestimmt ist. Ich habe dort teilweise ganz andere Fischsorten gesehen als in den anderen Sushi Restaurants in denen ich war. Und preislich gesehen, sind sie definitiv am oberen Ende der Skala anzusiedeln. Allerdings durfte ich auch nicht zahlen, da ich eingeladen wurde. Ich habe natürlich versucht mich zu wehren, aber das war vergebens, und mehr als zweimal Nein sagen ist Unhöflich!
Gegen Nachmittag kam noch die Schwiegertochter und die beiden Enkel zu Besuch. Lustige Bande, die es toll fand einen Gaijin kennen zu lernen und zu ärgern. Mir war es Recht, ich mag ja Kinder.
Der Abend war dann doch recht kurz, war ich doch noch zu fertig von der Busfahrt die Nacht vorher. Ich ging nach einem kleinen Abendessen recht zügig ins Bett und schlief tief und fest bis zum nächsten Morgen.

Tag 13:
Am Morgen waren wir in der Umgebung unterwegs zu einem kleinen Museum und in einem Park.
Alles sehr relaxed und ich war sehr zufrieden damit.
Kurz vor Mittag traf ich mich mit Tomohiro Matsunaga, den Silbermedaillen Gewinner von Peking 2008 im Ringen. Ich lernte ihn hier in Aschaffenburg kennen, da er hier in der Gegend für eine deutsche Mannschaft auf die Matte ging. Zudem ist er auch ein Bekannter meiner Japanisch Lehrerin.
Wir gingen in Akihabara was essen und schauten uns ein paar Elektronikläden an (Akihabara ist der Anlaufpunkt für Technik und Elektronik in Tokyo), danach brachte er mich noch schnell zu meinem nächsten Treffpunkt mit einer Bekannten aus Twitter. Es war ein angenehmer Mittag mit tollen Gesprächen, den ich gerne mit Tomohiro verbracht habe. Ich mag ihn einfach.
Danach traf ich mich mit erwähnter Twitter Bekanntschaft und sie überraschte mich mit Geschenken (ich war von den vielen Geschenken ehrlich gesagt überfordert, weil ich einfach nicht wusste wie ich das wieder gut machen sollte) und dem Satz, dass man Geschenke gerne annehmen soll, da sie von Herzen kommen würden. Gut, dem Satz konnte ich natürlich nichts entgegen setzen.
Wir schlenderten ein wenig durch die Gegend und schauten uns das Katana Museum an.
Leider war wenig Zeit, denn ich musste als bald zurück, sonst hätte ich mir noch ein Katana Geschäft angeschaut (vielleicht auch ganz gut so, denn wer weiß ob ich nicht in Versuchung gekommen wäre, mir wenigstens ein Tanto zu kaufen).
Am Abend bekam ich dann meinen Whisky, und zu meiner Überraschung war es ein Japanischer Tropfen der auch noch ziemlich gut geschmeckt hat. Musste mich direkt in den nächsten Supermarkt führen lassen um mir zwei weitere Flaschen zu kaufen, die ich in Deutschland genießen wollte.
Wir unterhielten uns noch bis in die späten Abendstunden. Die Familie Yoshida ist sehr an Deutschland interessiert und war schon häufig hier. Zum Tiroler Hut von Herr Yoshida konnte ich wenigstens noch meine Anstecknadel mit der japanischen und deutschen Flagge hinzugeben. Und nachdem die CD mit den Hits eines bekannten Mainzer Schunkelliedbarden fertig war, hieß es auch für mich ins Bett zu gehen.

Tag 14:
Abreisetag!

Wir besuchten morgens noch einmal ein Touristenviertel, wo ich meine letzten Geschenke einkaufen konnte.
Danach hieß es langsam Abschied nehmen und am frühen Nachmittag fuhr ich mit dem Zug zum Flughafen Narita.
Jetzt hieß es wieder warten, einchecken, Sicherheitskontrolle, warten, boarding, warten, fliegen…
Der Flug ging um 19 Uhr nach Peking, gegen 22 Uhr Ortszeit waren wir dort und dann hieß es knapp 4 Stunden Wartezeit. Denn unser Flieger hatte auch noch eine Stunde Verspätung die wir auf dem Weg nach Deutschland nicht aufholen konnten.
Relativ glücklich und zufrieden kam ich in Deutschland nach einer vom Kinderlärm erfüllten Nacht an und war froh von einem Freund abgeholt zu werden (Danke Alex, hast was gut bei mir).

Und so endete mein Urlaub in Japan mit einer ganzen Menge neuer Eindrücke, Geschichten, Bildern und Freunden. Ich fand es einfach toll und habe beschlossen nächstes Jahr wieder hinzufliegen :o)

Mein Fazit:
Nächstes Jahr flieg ich im Oktober, dann ist es nicht so heiß.
Ich plane meine Reise noch besser um keinen Leerlauf zu haben.
Japaner besitzen drei Dinge mit Sicherheit: ein Fahrrad, ein Handy, einen Fächer für frische Luft.
Japaner sind verdammt gute Fahrradfahrer.
Alleine fliegen war OK, eine Reisebegleitung wäre toller gewesen.
Couchsurfing ist klasse und ich werde es wieder machen.
Ich drücke nie wieder irgendwelche Knöpfe an Toilettensitzen, von denen ich keine Ahnung habe, was sie genau machen.

Sayounara desu.


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Japanreise Tag 5 bis 8

Tag 5

Giaccomo und ich entschieden uns zu den heißen Quellen von Beppu zu fahren. Die fast dreistündige Fahrt mit einem Shinkansen (das sind die japanischen Fernzüge) brachte uns an der Nord und dann der Ostküste bis nach Beppu, das an der einen Seite zum Meer hin offen ist und auf der anderen Seite von Bergen umrahmt wird. Eine schöne Stadt mit einer interessanten Geschichte. Wer mehr wissen will soll gefälligst googlen, ich hab keine Lust hier Lehrmeister zu spielen 😉
Wir besorgten uns einen Stadtplan und liefen erst einmal zu einem der größeren Parkanlagen, durchquerten diesen aber nur am Rande und suchten dann die heißen Quellen. Allerdings verlangten die allesamt Eintritt, also beschränkten wir uns auf einen Besuch in einem der bekannteren Onsen Bäder. Das sind heiße Bäder in verschiedenen Varianten und für Männer und Frauen getrennt. Man kann dort außerdem ein Sandbad nehmen, aber da hätten wir extra einen Badekimono mieten müssen, und darauf hatten wir keinen Bock. Es gibt bestimmte Regeln in so einem Bad, an die man sich schon halten sollte, man ist schließlich zu Gast. Dazu gehören das gründliche Waschen vor der Benutzung, ohne Handtuch ins Wasser zu steigen (also nackt) und vor allem gefälligst leise zu sein und die anderen relaxen zu lassen.
Bis auf einen anderen Gast waren Giaccomo und ich die einzigen anfangs. Wir genossen das heiße Wasser im Steinbad, liefen dann über einen Kieselweg im Wasser (gut für die Durchblutung) und gingen dann zu den Wasserfällen. Oh war das toll… warmes stark prasselndes Wasser auf dem Rücken zu spüren, das war wie eine wohltuende Massage.
Während wir unter dem Wasserfällen standen, sah ich zwei neue Gaijin (Ausländer) reinkommen. Der eine hatte ein Handtuch im die Hüften geschwungen, als würde sich irgendjemand hier drinnen für sein kleinen Hannes interessieren… naja, es interessierte mich eh nicht wirklich, ich hatte mein Wohlbefinden unter einem Wasserfall.
Als wir wieder hochgingen und uns die letzten drei Becken (eins draußen, zwei andere noch drinnen) zu Gemüte führten, gingen mir die beiden Neuankömmlinge schon gehörig auf den Sack. Ihr doofes Gelaber hat weder mich noch jemand anderen interessiert. Generell ist es ja nicht verboten, aber man soll Maß halten und leise sprechen. Hätte nicht lange gedauert und ich hätt mir beide mal vorgeknöpft… ich hasse es gestört zu werden wenn ich relaxe.

Alles schöne hat ja mal ein Ende, so auch unser Bad. Wir stellten beim rausgehen fest, dass es schon nach 18 Uhr war und wir gerade den Bus zum Bahnhof um 3 Minuten verpasst hatten. Aber wir hatten noch 41 Minuten Zeit um unsere Bahn zu erwischen, ansonsten müssten wir mit einer langsameren Vorlieb nehmen, die dafür erst eine halbe Stunde später kommen würde.
Wir eilten uns, aber es hatte alles keinen Sinn, wir verpassten die erste Bahn um ein paar Minuten, machten dafür bei einem Supermarkt halt und kauften uns was zu essen.
Auf der Rückfahrt haben wir beide hauptsächlich gelesen und uns immer wieder mal unterhalten.
Zu Hause angekommen war es schon spät. Giaccomo ging gleich schlafen, ich unterhielt mich noch mit Jun und Sayaka.

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn meine Gastgeber waren klasse und unvorstellbar freundlich zu mir gewesen, aber das Abenteuer Japan musste ja weitergehen und sollte auch gar nicht in Fukuoka enden :o)

Tag 6

Aufbruch nach Osaka.
Ich hatte mir ja im Vorfeld schon ausgerechnet was es von Fukuoka nach Osaka und dann weiter nach Tokyo kostet und mich gegen einen Japan Rail Pass entschieden, da dieser nur für die Schnellzüge, den Shinkansen, aber nicht für die Regionalzüge gilt. Allerdings kostete mich das Ticket hierher nach Osaka fast das doppelte, da die Spezialisten hier einen Preis für die Fahrt und einen extra Preis für den Sitz haben, ja richtig gehört, für den Sitz. Das ist echt lächerlich und ich hab lange diskutiert. Aber es half nichts, ich musste den Preis zahlen, und mir fiel auf die Schnelle auch keine andere Lösung ein.
Zu guter Letzt saß ich auch noch im falschen Abteil.
Ich war mir sicher, dass ich ein Ticket für einen reservierten Platz hatte. Der Schaffner meinte Nein… und das verdammte Ticket gab ihm auch noch Recht.
In den Shinkansen ist es so, dass es verschiedene Abteile für nicht reservierte und für reservierte Tickets gibt, dabei kommt es auf keine Platznummer, sondern nur auf die Reservierung an. Also musste ich das bequeme und ziemlich freie Abteil verlassen und in die hinteren Abteile wechseln, die natürlich alle sehr voll waren. Aber zum Glück fand ich noch einen freien Doppelsitz und alles war irgendwie wieder gut.

In Osaka angekommen machte ich mich gleich auf den Weg zu meinem Hostel, dass ich für die Nacht buchen musste. Es regnete in Strömen und ich fand das Hostel nicht gleich… wieder einmal musste mich jemand retten. Besagte Person fragte mich einfach ob ich etwas suche und führte mich zu dem Hostel. Toll wie Japaner manchmal auf Touristen reagieren :o)
Das Hostel war dreistöckig und heißt u-en, keine Ahnung ob das eine Bedeutung hat, wahrscheinlich schon.
Da es eh den ganzen Tag schwer regnete, besorgte ich mir nur etwas zu essen und setzte mich an den Laptop, das WiFi ausnutzend.
Ich schlief in der Nacht in einem 10 Personen Raum mit gemischtem Publikum in einer Ecke auf Tatami bzw. einer japanischen Matratze, die ziemlich weich ist und eigentlich eher eine dickere Zudecke als wirklich bequem für einen europäischen Dickarsch wie mich 😉

Tag 7

Nach einer eher mäßigen Nacht duschte ich erst einmal ausgiebig, packte meine Sachen und ließ alles was ich nicht brauchen würde an der Rezeption zurück. Ich wollte mir das Schloss in Osaka anschauen, das nur ungefähr 15 Fußminuten entfernt liegt. Ich habe den ganzen Vormittag im Schloss und außen herum verbracht. Die Außenanlage hat mich schon knapp 2 Stunden gekostet, die Innenanlage nochmal so viel. Ich hab ordentlich viele Fotos gemacht, die auf meiner Flickr Seite begutachtet werden können.
Was ich sehr lustig fand, war die Aufmerksamkeit einer Schulklasse an meiner Person.
Ein kleines Mädchen, ich schätze mal neun Jahre alt, musste mich auf Englisch interviewen.
Es fragte wo ich herkomme, welchen Sport ich mag und noch ein paar Kleinigkeiten. Danach sollte ich noch meinen Namen in ein dafür vorgesehenes Buch schreiben und wurde mit der Kleinen fotografiert. Alles in allem echt süß und lustig. Hab die Klasse natürlich auch fotografiert 😉

Als ich kurz nach Mittag fertig war, wusste ich erst einmal nicht wohin. Wollte mit dem Gepäck nicht die Stadt anschauen, es war aber auch noch viel zu früh für meinen neuen Gastgeber. Also schlenderte ich dann doch mit dem Gepäck durch die Nebenstraßen von Umeda (ein Stadtgebiet) und durch den Bahnhof, der hunderte von Shops in sich birgt. Mir wurde zwar nicht langweilig, aber meine rechte Schulter schmerzte immer mehr. Also entschied ich mich schon ein wenig früher zu meiner nächsten Couch zu fahren. Allerdings ist es nicht immer einfach in Japan, so passierte was passieren musste. Ich stieg am falschen Bahnhof aus und musste erst wieder ein Stück zurück fahren.
Kam dann zeitgleich mit dem neuen Gastgeber bei seinem Haus an.
Über ihn möchte ich eigentlich nicht sehr viele Worte verlieren, außer das ich mir einen guten Gastgeber anders vorstelle und froh bin, Freitag morgen hier wieder weg zu sein. Man kann halt leider nicht immer großes Glück mit Gastgebern haben.

Tag 8

Heute war Kyoto dran.
Eigentlich hatte ich für die ganzen Tempelanlagen in Kyoto zwei Tage eingerechnet. Heute Abend aber beschlossen, dass es bei einem Tag bleiben wird. Ich hab langsam genügend Tempel und Schreine gesehen und fotografiert. Irgendwann muss mal gut sein.
Habe mir ein Weltkulturerbe und die Kaiserliche Palastanlage angeschaut. Letztere ist echt riesig von den Ausdehnungen her. Das ist ein ganzes Stadtgebiet. Nur Parks, Baseballfelder, Tennisplätze und gewaltige Anlagen mit Häusern im alten japanischen Stil. Ich war allerdings nicht drinnen, wollte mir das Geld sparen und ging deswegen weiter zu besagtem Weltkulturerbe.
Wie schon erwähnt eben wieder ein Tempel.
Ich ging dann zurück in die Innenstadt am unterirdischen Bahnhof. Dort gibt es dutzende von Nebengassen mit tausenden von kleinen Läden. Ich weiß nicht wie lange ich dort durch gestolpert bin, aber es gab echt eine ganze Menge zu sehen. Nur fotografiert habe ich dort nichts mehr, konnte mich einfach nicht mehr aufraffen. Dazu sei noch gesagt, dass heute ein verdammt warmer und schwüler Tag in Kyoto war. Hab echt literweise mein Wasser wieder raus geschwitzt.
Was ich noch besonders toll fand, war mein Nickerchen im kaiserlichen Palastpark auf einer Bank. Ich habe es einfach den anderen nachgemacht und mich hingelegt. Keine Ahnung wie lange ich geschlafen habe, vielleicht gerade mal zehn Minuten.
Aber es war echt erfrischend.
Zu Hause wieder angekommen fand ich meinen Gastgeber schlafend bis etwa halb neun, danach ist er wortlos aufgestanden und hat für uns gekocht. Reis mir Tomaten und Ei. Ich hasse Tomaten!
Hab das meiste stehen gelassen bzw. weg geschüttet.
Jetzt ist er weg, keine Ahnung wohin, keine Ahnung wann er wieder kommt. Naja, ich habe eine Nacht lang ein Bett unterm Arsch und Internet um gleich meinen Blog hochzuladen.
Man soll halt immer das beste aus seiner Situation machen 😉


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Japanreise Tag 1 bis 4

Juni 13, 2010
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Tag 1 und 2

Am Donnerstag, 10.06.10, flog ich von Frankfurt am Main in Richtung Japan. Ich werde euch jetzt nicht mit Details in Frankfurt am Main langweilen und geh lieber zu den interessanten Dingen über… dem ersten Flug und China.
9 Stunden dauerte dieser Flug, inkl. zweimal Essen, einer ganzen Menge Filme und einem durchschlafenden Nebenmann, und endete vorerst in Peking, wo ich meinen Anschlussflieger nach Fukuoka zu bekommen hatte. Zuerst einmal war ich verwirrt, weil ich nicht wusste, wo ich hin gehen sollte, gingen doch so gut wie alle zu den Zeit des Wartens, schickte mich die nette Flughafenpolizistin zu einem anderen Schalter, bzw. ging mit mir sogar dorthin. Ich musste also doch offensichtlich nach China einreisen um wieder ausreisen zu dürfen, tolle Wurst, dachte ich mir, aber gut, was sein muss, muss eben sein. Das Mädel brachte mich dankenswerterweise in der Reihe ganz nach vorne zu einer ihrer Kolleginnen. Ein paar Entschuldigungen auf Englisch stammelnd, war ich mit dieser Vorzugsbehandlung schon ganz zufrieden.
Nach der Passkontrolle wusste ich aber wirklich nicht wo ich hingehen sollte und beschloss mich durchzufragen. Und hiermit sei festgestellt und festgehalten, dass viele der Flughafenbediensteten (und damit mein ich die gefühlten 10.000 Polizisten) entweder keine Ahnung haben, nicht englisch können oder keinen Bock haben mit Leuten wie mir zu reden… Touristen!
Es hat zwar lange gedauert, aber schlussendlich kam ich zu meinem neuen Gate und hatte noch über eine Stunde Zeit um auf meinen Anschlussflieger zu warten. Ich ging also erst einmal was essen.
Die nächste Maschine war um einiges kleiner als die erste, aber tatsächlich von der Beinfreiheit her um einiges geräumiger. Nach einem kleinen Disput (mein gebuchter Platz war besetzt, hatte aber schlussendlich gewonnen) machten wir uns auf nach Fukuoka… dachte ich zumindest, aber davon später mehr.
Dieser Flug ist generell als unruhig zu beschreiben, dafür gab es wieder Essen (so langsam bedauerte ich es am Flughafen nochmal gegessen zu haben) und gefühlten fünf Minuten (ich glaub mehr waren es wirklich nicht) Schlaf. Wir landeten nach lediglich zwei Stunden Flug bei richtig beschissenem Wind und heftigem Regen, aber ich freute mich schon, dass wir wohl früher angekommen wären als gedacht. Also ging ich frohen Mutes aus dem Flieger raus und folgte dem Schild auf dem Fukuoka stand. Ein wenig irritiert war ich dann schon, als ich mich plötzlich wieder chinesischen Sicherheitsbeamten gegenüber stand, die meinen Pass kontrollierten und mich dann einfach weiter gehen ließen. Kein Schwein kam mal auf den Gedanken, mir und den anderen Reisenden mitzuteilen, dass wir nochmal in China zwischenlanden mussten und unser Flug erst in einer Stunde weiter gehen würde. Also wieder ne Stunde gammeln und müde in der Gegend herum sitzen.
Das andere Reisende nichts von diesem Zwischenstopp wussten, wurde mir von einer Amerikanerin bestätigt, sie war auch einfach nur verwirrt über das ganze.
Also wieder hoch in die Luft und weitere anderthalb Stunden fliegen.
Dieses Mal landeten wir wirklich in Fukuoka und ich war froh aus dem Scheiß Flieger heraus zu sein. Beim landen machte das Flugzeug nach dem Aufsetzen noch einmal einen Hüpfer in die Luft… war nicht wirklich komisch für meinen Magen, der kurz vorher schon wieder was zu essen bekommen hatte… man nimmt ja mit was man kriegt, hab ja schließlich auch dafür bezahlt.
Sodele, raus aus dem Flieger und rein ins Terminal.
Eine nette Angestellte des hiesigen Flughafens half mir auch beim ausfüllen meiner Alien Registration Card. Das ist ein Zettel, auf dem steht wer man ist und wo man wohnt. Ich schrieb, dass ich einen Rundtrip vorhabe und bei verschiedenen Leuten bin. Damit fing allerdings der Ärger an. Sehr höflich bat man mich um eine Adresse in Fukuoka, die ich allerdings nicht zur Hand hatte, da ich mich mit der Couchsurfing Familie am Bahnhof treffen wollte und ich sie telefonisch nicht erreichen konnte.
Also musste ich erst einmal herum sitzen und warten. Ein anderer Bekannter konnte mich dann aus den Fängen der Flughafensicherheit retten… wobei es nicht wirklich schlimm war dort zu sitzen. Die Leute hatten viel zu lachen, weil ein doofer Gaijin wieder mal vergessen hatte sich richtig vorzubereiten, und ich hatte viele Gesprächspartner, weil sie alle paar Minuten zu mir kamen und sich mit mir unterhielten. Auf diese Weise habe ich sechs Angehörige der Flughafensicherheit kennen lernen dürfen.

Wie schon erwähnt wurde ich dann doch noch erlöst, man hatte sich sogar um mein Gepäck gekümmert, aufbewahrt und mir gebracht. Das war echt alles in allem ein toller Service, und schließlich machen sie ja doch nur ihren Job.
Mittlerweile war ich 24 Stunden wach, lediglich unterbrochen von meinen wenigen Schlafeinheiten im Flieger.
Ich traf mich mit meinem Bekannten und er zeigte mir erst einmal sein Geschäft, indem ich gleich ein paar nützliche Dinge kaufte, und verließ ihn dann wieder um meine Gastgeber Familie zu treffen.
Nachdem ich mich kurz verlaufen hatte und eine nette Frau mir den Weg zeigen musste, indem sie mit mir zum Bahnhof ging, stieg ich in die Bahn und machte mich auf den Weg zur Ijiri Station, mein Treffpunkt mit Sayaka Ishikawa. Sie und ihr Mann Jun wohnen in einer netten geräumigen Wohnung ein paar Blocks entfernt.
Ich bewohne hier ein nettes kleines Tatami Zimmer in der ich meinen ganzen Kram erst einmal fallen ließ und dann duschen ging.
Wir entschieden uns am Abend mit meinem Bekannten und seiner netten Assistentin (sie hatte mir im Vorfeld Reisetipps zugeschickt) etwas Essen und Trinken zu gehen. Jun wollte auch später noch zu uns stoßen.
Gesagt, getan.
Und ich verbrachte den Abend in einer sehr angenehmen Runde in einem tollen und traditionellen Essenshaus inmitten von Fukuoka.
Bis ich an diesem Abend ins Bett kam, war ich ziemlich genau 30 Std. wach.
Dementsprechend gerädert bin ich am Samstag morgen aufgewacht und konnte mich bis halb elf Ortszeit nicht aus dem Bett bequemen.

Tag 3

Ich beschloss nach Dazeifu zu fahren und mir dort die großen Tempelanlagen anzuschauen.
Bin dann den halben Nachmittag durch die Sehenswürdigkeiten geschlendert und ließ einfach meine Seele baumeln. Es war eine echte Wohltat.
Kurz bevor ich nach Yanagawa weiter fuhr, gönnte ich mir noch ein leckeres Essen indem ich der Besitzerin einfach nur das Bild im Schaufenster zeigen musste. Das ist übrigens normal in Japan, das im Schaufenster Essensattrappen herum stehen, auf die man einfach nur zeigen muss.
Ich hatte in dem Laden übrigens keine Möglichkeit mir etwas zu trinken zu bestellen, aber ich bekam gut gekühlten Tee und die nette Kellnerin schaute echt ständig ob das Glas auch nur ansatzweise leer war.

Ich entschloss mich noch, nach Yanagawa weiter zu fahren und dort einer der berühmten Bootstouren mitzufahren. Ich verstand zwar nichts von dem, was der Bootsführer erzählte (war logischerweise alles auf Japanisch), aber ich hatte trotzdem jede Menge Spaß. Dreimal sang er sogar berühmte historische Lieder für uns, das war ansich schon lustig genug, auch wenn man es nicht verstand.
Nach einer kleinen Sightseeing Tour zurück zum Bahnhof und meiner anschließenden Fahrt zurück zum Haus meiner Gastgeber, überraschte mich Sayaka noch mit dem Angebot zu einem Freund zu gehen und was zu trinken. Jun war zu müde um mitzugehen, also gingen nur wir beide, bewaffnet mit dem guten deutschen Bier, dass ich als Gastgeschenk mitgebracht hatte.
So besuchten wir einen US Amerikaner, der vor fünf Jahren hier her zog und ein absolut geselliger Typ ist. Er begrüßte uns mit leckerem Sashimi und selbstgemachter scharfer Paste für Cracker… tolles Zeug.
Er hatte noch Besuch von einem Nachbarn, der hauptberuflich Snowboard fährt und deutsches Bier mag.
Wir haben das ganze Bier getrunken und sind dann nochmal in die Shopping Mall um Nachschub an Wein zu holen.
Um vier Uhr morgens war auch der Wein leer, wir dafür voll, und torkelten nach Hause.

Tag 4

Am Sonntag schlief ich bis halb zwölf und frühstückte dann gemütlich mit meinen Gastgebern.
Anschließend fuhren wir mit dem Rad zu einem speziellen Geschäft für Essstäbchen. Ich wusste nicht, dass es eine Wissenschaft für sich ist, die richtigen Stäbchen zu finden. Meine Hände und sogar meine Füße wurden ausgemessen. Dann legte mir der Verkäufer ein paar Stäbchen zur Auswahl vor. Ich konnte mit einem Teller voller kleiner Bohnen üben und war überrascht, dass es mir tatsächlich mit manchen aufgrund ihrer Länge viel leichter fiel und mit anderen überhaupt nicht gelingen wollte.
Ich kaufte auch gleich das Zubehör mit und verlass den Laden als sehr zufriedener Kunde.
Wir fuhren dann weiter in die Stadt und gingen in einer tollen kleinen Sushi Bar lecker essen. Ich glaube, ich habe noch nie soviel Geld für Sushi ausgegeben, aber das war es echt wert.
Danach durchstöberten wir noch einige Warenhäuser nach lustigen Sachen und ich war verblüfft, wieviel deutsches Zeug die hier verkaufen. Da waren einige Marken, von denen ich sicher war, dass sie nur in Deutschland verkauft werden oder überhaupt Anklang finden würden.
Gegen Abend fuhren wir zum Supermarkt einkaufen und ich konnte ein fast traditionelles deutsches Gericht: Hacksteak mit Soße und selbstgemachtem Kartoffelbrei, davor noch eine gute Rinderbrühe mit Glasnudeln und Karotten.
An diesem Abend kam auch der zweite Couchsurfing Gast an, ein junger Mann aus Italien mit dem klangvollen Namen Giaccomo.
Wir hatten ja vorher schon beschlossen ein wenig zusammen zu reisen, aber was genaues hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgemacht, wahrscheinlich aber ist am Montag Beppu und seine heißen Quellen dran.
Anschließend ließ ich den Abend einfach nur noch ausklingen.


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