Tarvios's Blog

Die Bahn in Japan – ein Traum | Januar 12, 2011

Durch die ständige negative Presse der deutschen Bahn in Deutschland, habe ich wieder an meinen Urlaub letztes Jahr in Japan denken müssen.
Dort bin ich sehr häufig Bahn gefahren und möchte meine Erlebnisse ein wenig schildern.

In Japan gibt es mehrere Bahnsysteme, wie diese tatsächlich aufgeteilt sind, und ob welche privat oder in staatlicher Hand sind, weiß ich nicht, ist für meine Erzählung aber auch nicht von Belang.

Im Nahverkehr fahren drei Bahnarten die gleiche Strecke ab.
Ein langsamer Zug der überall hält, ein mittelschneller der kleinere Bahnhöfe überspringt, und ein schneller Zug, der wenige Bahnhöfe anfährt. Meist ist es so, dass Fahrgäste mit einem der schnelleren fahren, ihre Station „überspringen“ und dann einen langsamen Zug zurück nehmen.
Aber auch die Fahrgäste sind eigentlich nicht von Belang bei dieser Erzählung. Außer man möchte näher darauf eingehen, dass es in Bahnen verboten ist zu telefonieren, und es sich auch daran gehalten wird.

Jetzt kommen wir doch einmal zu dem Teil, mit dem man die Bahn in Deutschland vergleichen kann – dem Service.

Ich betrete einen Bahnhof und muss an einem Automaten (es gibt für gewöhnlich mehrere davon an Bahnhöfen) mein Ticket ziehen. Dazu habe ich über dem Automaten eine Karte, die bildlich anzeigt, wohin man von diesem Bahnhof aus fahren kann. Das ganze auch noch dreifarbig, damit man direkt sieht, welche Bahn am Zielbahnhof hält. Der Preis dorthin ist immer der gleiche, egal welche Bahn, und steht auch direkt in diesem Bild bei entsprechendem Zielbahnhof dran.
Die Preise sind am Automaten ganz einfach unter den entsprechenden Knöpfen hinterlegt. (Bin mir grad nicht mehr sicher, ob man erst das Geld einwirft, oder erst den Knopf drückt, ist aber auch Wurst.)
Das Ticket lasse ich kurz an einem anderen Automaten als Eingang entwerten und gehe zu den Gleisen. An den Automaten zum entwerten sitzt auch immer Bahnhofspersonal in einer Kabine, dass einem gerne bei Problemchen und Problemen weiter hilft.
Am Bahnsteig selbst sind die Haltezonen der Bahnen eingezeichnet, so dass man sich an genau dieser Stelle auch zum Einsteigen anstellen kann. Ich habe es in den zwei Wochen, in denen ich dort war, genau beobachtet, jede Bahn hielt punktgenau richtig.

Während der Fahrt betreten für gewöhnlich zwei Mitarbeiter der Bahn jeden Waggon, nicht um zu kontrollieren ob man schwarz fährt (das wird erst beim Zielbahnhof kontrolliert, aber dazu mehr später), sondern um nachzuschauen, ob Gepäck liegen gelassen wurde.
Beim Eintritt in den Wagen verbeugen sich die Mitarbeiter, beim verlassen des Wagens verbeugen sie sich wieder.
Wenn der Zug den Bahnhof verlässt, verbeugt sich das Bahnhofspersonal auch in Richtung des abfahrenden Zuges. Damit zollt man den Zuggästen Respekt dafür, dass diese den Mitarbeitern den Arbeitsplatz sichern (ist allerdings nur ein Tipp von mir, könnte auch religiöse Gründe haben, lasse mich gerne genauer aufklären).
Beim verlassen des Bahnhofs muss man das Ticket wieder in einen Automaten stopfen, aus dem es dann auch nicht mehr herauskommt. Hat man das richtige bezahlt, passiert nichts, hat man zu wenig bezahlt, ertönt ein Ton und der Bahnhofsmitarbeiter, der in seiner Kabine sitzt) bittet einen höflich nachzuzahlen. Ist mir persönlich nur einmal passiert und es wollte mir niemand gleich einen 60 Euro Strafzettel für’s Schwarzfahren aufdrücken (kostet doch 60 oder? hab das so selten).

Bei den Fernzügen ist es eigentlich wie bei den Nahzügen, nur das man tollere Tickets bekommt und im Zug (bzw. logischerweise schon beim Kartenkauf) zwischen drei Optionen wählen kann. Kein Sitzplatzanspruch, eine Sitzplatzreservierung oder erste Klasse. Ersteres ist klar, es gibt Abteile wo man sich hinsetzt wo frei ist.
Letzteres ist auch klar, erste Klasse ist immer mit mehr Luxus verbunden. Toll fand ich die zweite Variante, die Sitzplatzreservierung. Man hat nicht, wie bei uns, einen festen nummerierten Platz, wo man aber 100%ig neben jemandem sitzt, der mehr Platz braucht, ständig schnarcht oder was weiß ich was, oder schlimmer noch, einfach jemand sitzt, den man erst einmal verjagen muss.
Nein, dort hat man einen reservierten Waggon, in den man sich einfach irgendwo hin setzt, wo man möchte. Ein Traum, ehrlich.
Unnütz zu erwähnen, dass Service-Personal immer freundlich war.

Ich habe in den zwei Wochen einen Zug erlebt, der unpünktlich war… für anderthalb Minuten.

Mir würde es gefallen, wenn deutsche Zugbegleiter mehr Respekt den Leuten entgegen bringen würde, die ihren Arbeitsplatz sichern.
Ich fände es toll, wenn deutsches Bahnhofspersonal nicht ausschauen würde, als müsstest Du Dich bei ihnen entschuldigen, wenn Du mit einem Problem zu ihnen kommst.
Es wäre toll, wenn die Bahn in Deutschland ihre Unpünktlichkeit endlich einmal in Griff bekommen würde.

Vielleicht sollte sich die Deutsche Bahn in Japan schulen lassen!

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Veröffentlicht in Japan, Reiseberichte

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