Tarvios's Blog

Mein Beinahe-Crash

Oktober 11, 2010
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Meistens passieren Unfälle wenn man es eilig hat.
Gestern war so ein Tag.

Ich war um 14 Uhr zum Spielen verabredet und leider ein wenig zu spät von der Buchmesse weg gekommen.
Zum Spielen brauchte ich leider meine Würfel, die ich Freitags bei einem Freund gelassen hatte. Fuhr also erst zu ihm nach Johannesberg, einem kleinen Dörfchen am Rande von Aschaffenburg, dass leider ein gutes Stück höher liegt und man deshalb schlicht und ergreifend eine steile lange Anhöhe als Fahrtweg hat.
Schon aus Aschaffenburg raus, fuhr ich einem PKW mit Würzburger Kennzeichen nach, der leider ein paar Schilder falsch zu deuten schien, fuhr er doch 30, wo man 50 fahren konnte.
Natürlich war ich wie so oft ungeduldig beim Autofahren (ich bin ein anderer Mensch hinterm Steuer… Mensch trifft es nicht, eher Ork ^^) und ja sowieso schon zu spät.
Mein Vordermann fuhr wenigstens außerhalb der Stadt ein fast angenehmes Tempo, leider wurde ich trotzdem oft gezwungen zwischen dem dritten und vierten Gang zu wechseln.

Plötzlich blinkt mein Vordermann nach links, wo es allerdings nichts zum abbiegen gibt. Dachte mir aber, er möchte, dass ich ihn überhole, was allerdings wegen der schlecht einsehbaren Straßenlage nicht sofort ging, also fuhr ich etwa 100 meter hinter dem Blinkenden her als er zusätzlich stark bremste und fast anhielt.
Jetzt war mir klar, ich soll ihn überholen weil er sich hier einfach nicht auskennt, schaltete in den zweiten Gang und beschleunigte rasant um an ihm vorbei zu kommen. In genau diesem Moment versuchte er links abzubiegen. Ich sah es, riss mein Steuer auch nach links und stieg voll auf die Eisen, mein ABS fing direkt zu rattern an und ich konnte meinen Wagen nach etwa 20 Metern in der Wiese zum stehen bringen. Ich war mir sicher seine komplette Seite erwischt zu haben, zumindest hörte es sich so an als ich an ihm vorbeiknatterte.
Jetzt sah ich auch wo der Herr hinfahren wollte. Es gab nämlich doch einen Weg, einen kleinen Feldweg, der von meiner Fahrseite aus durch Hecken für mich überhaupt nicht ersichtlich war (ich komme später nochmal drauf zurück).
Der „Würzburger“ (ich nenn ihn einfach mal so in Ermangelung eines Namens) bog tatsächlich noch ab und blieb stehen. Er war mitte fünfzig und mit seinen Eltern und seiner Schwester oder Tochter unterwegs. Glücklicherweise war den Leuten nichts passiert.
Ich schaute mir mein Auto an und fand bis auf einen Kratzer im Plastik vorne rechts nichts, genauso wenig er an seinem Fahrzeug. Puh, Glück gehabt.

Ein anderer Autofahrer blieb noch stehen und bot sich als Zeuge an. Ich sagte ihm, dass ich dachte der Würzburger wolle, dass ich ihn überhole. Er dachte lustigerweise das gleiche.
Der Würzburger erklärte, dass er nur früh genug schon blinken wollte und er sich hier auskennt und über den Feldweg zu irgendwelchen Obstbäumen fahren wollte.
Glücklicherweise blieben wir alle sehr gelassen (mal abgesehen von dem Adrenalin das mir durch den Körper schoss) und beschlossen alles auf sich beruhen zu lassen. War ja auch nicht wirklich was passiert.

Als ich schon im Auto saß und wieder weg fahren wollte, kam der Vater des Fahrers noch einmal zu mir und erzählte mir noch wie teuer das alles doch geworden wäre, wenn was passiert wär (er wollt eigtl. nur ein wenig schwätzen), weil ich ja immerhin über eine geschlossenen Linie hinaus überholen wollte (geschlossene Linie = Überholverbot). Ich bedankte mich noch bei ihm und sagte wie erleichtert ich wäre, dass nichts passiert ist.

Ich fuhr los und überdachte noch einmal alles. Meine Blitzschnelle Reaktion (sagten sowohl die im Würzburger als auch im Zeugen Auto) hatte schlimmeres vereitelt.
Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Durchgezogene Linie? Na klar. Aber die galt logischerweise nicht nur für mich zum überholen, sondern auch für den Würzburger zum abbiegen. Deswegen war der Herr auch nicht daran interessiert sein Auto genauer untersuchen zu lassen, er wäre genauso dran gewesen wie ich, wenn nicht sogar noch schlimmer. Man darf von dieser Seite nicht in den Feldweg abbiegen (ich sagte ich komme nochmal drauf zurück) weil man ihn durch das Dornengestrüpp nicht einsehen kann.

Naja, Ende gut, alles gut… oder so ähnlich.
Bin auf jeden Fall sehr froh, dass wirklich nichts schlimmeres passiert ist und nächstes Wochenende werde ich vielleicht sogar wieder darüber lachen können.


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